Entscheidend ist die eigene Haltung

04.02.2026 | Von Monika Fischer (Text) und Joseph Schmidiger (Bild)

An der Finissage der Sensibilisierungskampagne «Das hohe Alter» des Forums Luzern60plus warf eine Gesprächsrunde mit Regierungsrätin Michaela Tschuor einen philosophischen Blick auf diese Lebensphase.

Foto: Joseph Schmidiger

Der bis auf den letzten Platz besetzt Marianische Saal an der Finissage vom 14. Mai 2025 zeigte: Die Sensibilisierungskampagne «Das hohe Alter» mit einem Porträtbuch, einer Plakataktion auf öffentlichen Plätzen und fünf Veranstaltungen war ein grosser Erfolg. Heidy Steffen, die das Projekt mit einer Gruppe des Forums60plus und Fachleuten organisiert und durchgeführt hatte, freute sich über die erreichte Zielsetzung: «Die Gesellschaft tendiert dazu, Alter und Hochaltrigkeit mit Gebrechlichkeit, Hilflosigkeit und hohen Kosten zu verbinden. Dem wollten wir etwas entgegensetzen und mit positiven Altersbildern zeigen, dass alte und hochaltrige Menschen viel erlebt und geleistet haben, ein Gewinn und somit weiterhin ein wichtiger Teil der Gesellschaft sind.»

Unter der Leitung der Philosophin Heidi Pfäffli warf die Gesprächsrunde mit Lili Fischer (93), Pietro Abt (82) und Regierungsrätin Michaela Tschuor einen philosophischen Blick aufs Alter. Angeregt wurde die Diskussion durch die von der Schauspielerin Silvia Planzer vorgelesenen Gedanken zum Alter verschiedener Philosophen und einer Philosophin. 

Wie man in den Wald ruft …

Von den Menschen im Greisenalter müssten wir lernen, da sie den Weg schon gegangen seien, hatte schon Platon im Gespräch mit Sokrates angeregt. «Doch ist heute im hohen Alter ein würdiges Leben noch möglich oder eher eine Last?», fragte die Philosophin. Für die 93-jährige Lili Fischer kann es sehr schön sein, wenn man das, was man nicht mehr machen kann, mit anderem ausgleicht. Dazu gebe es viele Möglichkeiten. «Ich bin privilegiert, lebe allein in meiner Wohnung und bin zufrieden, wie es ist», sagte sie.

«Beim Blick in den Spiegel sehe ich einen alten Mann. Im Gespräch mit anderen Menschen bin ich alterslos», sagte Pietro Abt, 82. Ähnlich habe er es beim Malen in einem Club erlebt. Er wünscht sich, von jungen Menschen grosszügig und tolerant behandelt zu werden, was allerdings auch von der eigenen Haltung abhängig sei gemäss dem Sprichwort: «Wie man in den Wald ruft, tönt es zurück.» Er betonte: «Wir allein bestimmen, wie ein Gespräch abläuft.»

Lili Fischer berichtete von ihren guten Erfahrungen im Umgang mit jungen Müttern, und Michaela Tschuor erzählte von den Familienferien mit der Schwiegermutter. Die Tochter störte sich zunächst an deren offenem Umgang mit anderen Gästen im Hotel. Dies änderte sich, nachdem sie den Jugendlichen aufgezeigt hatten, dass alte Menschen das Recht haben, sich auch unüblich zu verhalten, da sie keine Rücksichten mehr nehmen müssten.

Monika Fischer

Monika Fischer

Autorin
Ursula Korner

Ursula Korner

Autorin

Jahrgang 1949. Als Buchhändlerin erlebte ich, dass geteilte Freude über gute Bücher zur doppelten wird – das gilt für die ganze kulturelle Vielfalt, auch darum gebe ich meine Tipps gerne weiter.